Montag, 4. Januar 2010

Na dann - Prost!

- Chronologie einer rauschenden Ballnacht

31. Dezember 2009 - Uetersen liegt in trügerischer Ruhe und klirrender Kälte.
Alex und Britta bleiben dieses Jahr daheim, weil a.) Kleine-Tochter anwesend (Exfrau ist anderweitig beschäftigt und Oma-Opa haben sie vom 2. Januar an eh eine Woche am Hals), b.) Große-Tochter beschlossen hat, eine Garagenparty zu geben.
Keine gute Idee, 15 unter schwerer Pubertät leidende Teenager sich selbst zu überlassen!
Eigene Gäste sind nicht zu erwarten, weil es ohnehin turbulent genug zu werden droht.

12:30: Britta kehrt schwerbepackt nicht nur mit dem allfälligen Proviant, sondern auch einem Raketen-Sortiment und anderen Krach-Mach-Artikeln von Feinkost-Albrecht zurück, was Kleine-Tochter von der viereckigen Amme weglockt und zu dem Wunsch verleitet, Silvester in ihrem Wehrturm zu verbringen und auf unvorsichtigerweise vorbeiziehende Lufthansamaschinen zu lauern (wird später zum Wohle der deutschen Luftfahrt revidiert).
Die Große ist mit hektischen Vorbereitungen beschäftigt und wuselt mit ihrem Liebsten und einigen Eltern der zu erwartenden Gäste in der Garage herum.
Wir wissen: 14 Elternpaare werden unser heute voll Mitgefühl und Dankbarkeit gedenken, weil wir ihnen ihren Nachwuchs aus den Füßen halten und in relativer Sicherheit verwahren. Toll.

15:10: Britta zersägt zu Kleine-Tochters Mißfallen Kanonenschläge, um mit dem darin enthaltenen Schwarzpulver hingebungsvoll die gute, alte Vorderladerkanone zu beschicken und fachgerecht mit wachsgetränktem Tampon zu verstöpseln.
Keine WIRKLICH feminine Amtshandlung - zugegeben - aber rituell nötig, weil Britta abergläubisch ist und einige veritable Dämonen kennt, denen zum Jahreswechsel gehörig eins übergebretzelt gehört.

15:25: Britta schleppt unter den kritischen Augen des Gatten und der immer noch quengelnden Tochter ("ZWEI Kanonenschläge! Und EIN Flieg-Flieg-Dings!! - Das ist doch Verschwendung!") das Kriegsgerät in den Garten.

Während die Lunte brennt, geht die Familie respektvoll auf Abstand.
Der fulminante Knall übertrifft alle Erwartungen, Brittas Lieblingsdämonen verzupfen sich winselnd in andere Dimensionen, allen klingeln die Ohren. So soll es sein!
Tochter sagt: "Jetzt kann ich mir vorstellen, wie Krieg ist!" - da behaupte noch einer, Silvesterknallerei hätte keine pädagogischen Aspekte.

16:00: Normalerweise halten Alex und Britta zum Jahreswechsel gern Leichenteile in siedendes Öl, da aber zu erwarten steht, dass dazu die nötige Ruhe fehlen wird, gibt es liebevoll in Speck gewickeltes Schweinefilet.
Auch schön.

20:00: Die ersten Hunnen Teenager fallen ein, werden aber erst noch, da der geliehene Heizlüfter noch tapfer gegen die arktische Kälte in der Garage ankämpft, ins "Jugendzimmer" (Kinderzimmer war gestern - schließlich haben wir das Vergnügen eine "Heranwachsende" beherbergen zu dürfen!) verfrachtet.

22:00: Die inzwischen fast vollzählige Besatzungsmacht okkupiert die Remise und nimmt auch sofort die Anlage in Betrieb.
Der Schalldruck ist erheblich: Die ganze Garage scheint sich rythmisch aufzublähen.
Nagelfee und Gatte sind vorgewarnt, die restliche Nachbarschaft ist in einem Alter, in dem man derlei Problemen mit dem Abschalten der Hörgeräte begegnet.

23:00: Die reichhaltige Auswahl an Getränken fordert ihren Tribut: Vor dem Gästeklo (das Britta liebevoll und vorausschauend mit Schildern wie "Wer hier im Stehen pinkelt, STIRBT!!" - und auf Anraten des Gatten UNTER der Klobrille mit "ERNSTGEMEINT!!!" - dekoriert hat) drängen sich gefühlte 50% aller Heranwachsenden der norddeutschen Tiefebene.
Alle sind erstaunlich zivilisiert, sagen artig "Guten Tag!" oder bedanken sich gar, dass sie da sein dürfen.
Unsere Maßgabe war: "Keine harten Spirituosen - keine illegalen Drogen!", wir hatten selbst aus rechtlichen Erwägungen gar keine alkoholischen Getränke gestellt, aber auch geflissentlich weggesehen, was die anderen Eltern ihrer Brut so mitgaben.
Der Alkoholpegel ist zu spüren, bleibt aber im vertretbaren Rahmen.
Wenn man betrachtet, was die so an Knallkrams mitgeschleppt haben, könnte man zu der Ansicht gelangen, dass die Rezession an unserer Region vorübergezogen sein muss.
Vor dem Haus herrscht Krieg (leider auch vor dem Haus der Nagelfee, was wir zu spät bemerken, weshalb Töchterlein und Lover da anderntags fegend tätige Reue zeigen müssen).

23:50: Alex, Britta und das Zwergen gesellen sich zum Rest der Meute.
Wenn wir gehofft hatten, dass die Kids ihr Pulver schon vorab verschossen haben würden, so werden wir um

24:00: grausam eines Besseren belehrt:
Jetzt erst gibt die Landjugend ALLES!
Ruck-zuck ist unsere sonst eher beschauliche Straße in Pulverdampf gehüllt. Das Zwergen steht ein wenig verschüchtert zwischen all den Großen, bemüht, weder in die Feuerlinie zu geraten, noch plattgetreten zu werden, will selbst nun doch keine eigenen Raketen abschießen und läßt gottergeben die entzückten Zuwendungen ("Gott, ist die süüüüß! Wie heißt die denn? Geeeefii... Äh... WIE heißt die?? Egal... Gott, ist die süüüüß!" ... und so weiter) der weiblichen Hälfte der Teenagerschar über sich ergehen. Die männliche Hälfte können wir davon abhalten, ihre Gläser auf ihr abzustellen.
Unsere 15-jährige ist zwar auch ein wenig beschwipst, geht aber völlig in ihrer Gastgeberrolle auf und macht das ganz großartig: All ihre Freunde sind älter, zwischen 16 und 18, sie hat die aber souverän im Griff, so dass sich die Kollateralschäden in mehr als akzeptablen Grenzen halten.
Nagelfee, Gatte nebst Gästen und Gören trauen sich schließlich auch vors Haus und es folgt das traditionelle Herzen, Küssen und Gutes-Neues-Sagen.

1.1.2010 - 1:00 Ortszeit: Die ärgsten Kampfhandlungen sind vorüber, die Mehrzahl der Teenager widmet sich wieder tapfer der Dezimierung der Getränkevorräte. Aus dem Garten sind vereinzelt würgende Opfergeräusche zu vernehmen.
Die örtliche, vom Lärm aufgescheuchte Tierwelt begreift das allerdings offenbar als willkommene und verdiente Reparationszahlung und snackt es weg - weshalb am nächsten Morgen kaum noch Spuren zu finden sind.

2:30: Das Mini-Bratz ist total aufgekratzt - und weil bei dem immer noch herrschenden Krach eh nicht daran zu denken ist, sie ins Bett zu stopfen, bitten wir die Große, langsam das Ende einzuläuten. Sie verspricht, um drei die Musik abzudrehen und sich mit den Resten der mittlerweile doch recht angeschlagenen Gästeschar in ihr Gemach zurückzuziehen.
Und wirklich: Punkt

3:00: breitet sich himmlische Ruhe aus! Die Vögel kehren in ihre Nester zurück, Igel und Eichhorn nehmen den Winterschlaf wieder auf, die Seniorenkatze äugt mißtrauisch unter dem Sofa hervor, in dessen Schutz sie das Chaos zu überstehen versucht hat, und Brittas Bemühen, den widerstrebenden Zwerg endlich in die Federn zu kriegen, ist endlich von Erfolg gekrönt. 

3:30: Eine erste Inspektion der diversen Tatorte ergibt weder nennenswerte Schäden, noch sofortigen Handlungsbedarf - selbst das Klo ist nicht halb so eklig, wie erwartet.
Alex und Britta schleppen sich todmüde und erleichtert ins Bett:
"Gute Nacht, John-Boy!" - "Gute Nacht, Mary-Ellen!"
(hier jetzt bitte die Waltons-Abspannmelodie vorstellen)

Euch allen ein glückliches neues Jahr und den Menschen ein Wohlgefallen. Oder so. :-)

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Kommentare:

  1. Liebe Britta, dir, der familiären Entourage und vor allem der seniorischen Katze gilt mein tiefempfundenes Mitgefühl- und respektvollste Glück-Wünsche fürs neue Jahr ziehen auch nach Norden.

    :-)

    Lily

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  2. Oh - danke schön, Lily! :-)
    Du scheinst ja Katzen auch sehr zu lieben - ich bin sicher, Du würdest unsere felidische Rentnerin mögen.
    Die heißt Tonda, und hat sich im Laufe vieler Jahre (sie wird, Freyas und Bastets Hilfe vorausgesetzt, im April 19) zu einer Katzendame von fast erschütternder Weisheit entwickelt.
    Außer ein wenig Arthrose und einer Nierenschwäche, die sich bislang noch mit homöopathischen Mitteln beherrchen läßt, ist sie eigentlich noch recht rüstig.
    Krallen- und Fellpflege überläßt sie allerdings seit kurzem voll und ganz ihren humanoiden Altenpflegern.

    Ich muß sie unbedingt mal fotografieren, wie sie mit dem Rücken zu uns stoisch vor dem Set, auf dem immer ihr Napf steht, sitzt und auf ihr Dinner wartet.
    Sie sagt einmal Bescheid, dass sie zu speisen wünscht und nimmt dann einfach Platz. Kein weiteres Quengeln, kein um die Beine streichen - sie WEISS einfach, dass wir für sie sorgen.

    Dir und allen, die Du liebst, gleichfalls ein tolles neues Jahr! :-)

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  3. Huiui...bei euch war ja richtig was los. Ein tolles und aufregendes neues Jahr wünsche ich euch.

    Knuddels,
    Liza

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  4. Versuche jetzt schon seit gestern diesen Post in Ruhe zu lesen - schaffe es aber nicht.
    Aber ich verspreche mit groooßem Indianerehrenwort (na ja Squawehrenwort), dass ich diesen Post lesen und kommentieren werde - sobald ich dazu komme *soifz*

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  5. @Eliza: Heya!! Dir auch ein grandioses 2010! Und dass Euer Laden rocken möge! :-))

    @Sissy: *lacht* Der Post hat ja kein Verfallsdatum!
    Und "Indianehrenwort" ist doch gut??
    Bessa jedenfalls als "Squaw" - die hat zwar Lippen, redet gemeinhin aber wenig und gibt schon gar keine Ehrenworte! :-P

    Guckst Du hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Squaw ;))

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  6. Uuuups - na ja, mit den Lippen die da lt wiki gemeint sind, kann Frau auch schlecht reden *räusper* und *hihihi*

    Es war übrigens seeeehr unterhaltsam. Ich liebe Deine Schreibweise :-D Ich will mehr! mehr! mehr!

    Obwohl das mit den Tiergaben im Garten, die am nächsten Morgen weg waren, ist schon ein bisschen ekelig *schüttel* bäh

    Klingt auf jeden Fall nach einem seeeehr lustigen und aufregenden Silvester *hihi*

    In diesem Sinne auch jetzt nochmal ein FROHES NEUES!!!!!

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  7. *lacht* Yep - aufregend war es. Und tatsächlich überraschend lustig.
    Und für die Große war es wichtig (ist altersgemäß manchmal bissi schwierig mit ihr), weil sie sowohl ihren Freunden, als auch uns beweisen konnte, dass sie so was gestemmt kriegt!

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