Sonntag, 7. März 2010

Standortbestimmung

- zumindest ein zaghafter Versuch ...

Dies ist eigentlich gar kein eigenständiger Beitrag - sondern lediglich ein Kommentar zu diesem Artikel, den ich gestern bei Diana las.
Weil es aber um ein Thema geht, dass mich gleichfalls heftig umtreibt, poste ich ihn auch in meinem eigenen Blog.

Bei der Gelegenheit möchte ich betonen, dass mein Blog eigentlich nie so stark um das Thema Transidentität kreisen sollte. Und schon gar keinen Anspruch auf "politische Bildung" erheben will - ich bin nämlich eigentlich einfach Britta, ein ziemlich normales Menschenkind mit einem ziemlich durchschnittlichen, normalen Leben. 

Aber eben ganz zufällig transident - was immer wieder zu Erklärungsbedarf führt. Nützt ja nix ... :-/

Oje ... was Ihr da an Argumenten ins Feld führt, kann ich, die ich mich wie Ihr mit der Materie weit über das populärwissenschaftliche hinaus auseinandergesetzt habe, gut nachvollziehen.
Der Normalbürger hingegen versteht, wenn er "sexuell" hört, "EROTISCH" - und sonst gar nichts. Für mich (und für Euch vermutlich ganz genau so) hat mein Trans-irgendwas-sein aber nichts, null-komma-nichts mit Erotik oder was auch immer zu tun. Und ich will auf gar keinen Fall mit wie auch immer gearteten sexuellen Deviationen in einen Sack! Meine sonstigen Absonderlichkeiten (und wahrlich! Da hab ich so einiges!) sind nämlich eine vollkommen andere Baustelle.
Ich könnte mich gerade noch so eben mit "transGESCHLECHTLICH" anfreunden - das Wort bietet die deutsche Sprache immerhin -, obwohl es meiner unmaßgeblichen Meinung nach wirklich weit mehr um Identität, denn um rein Körperliches geht.

Der Fisch stinkt doch eh vom Kopf her: TRANS ist doch die Crux. "Trans" impliziert eine Bewegung von-nach. Und bei mir bewegt sich gar nichts: Ich habe eine weibliche Hirnstruktur. Und einen männlichen Körper. Punkt.
Dass wir an unseren Körpern ÜBERHAUPT herumfieseln, ist doch ein neuzeitlicher Bonus: In früheren Zeiten hätten wir uns gerade mal selbst den Schwanz abschneiden können (ist ja wohl auch oft genug passiert)! Bei den indigenen Völkern (übrigens längst nicht bei allen), die immer wieder gerne verklärt Erwähnung finden, ging es nie um den Körper - Menschen wurden da nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten verortet. Die trugen dann eben die Kleidung des "Wunschgeschlechts", übernahmen die entsprechenden Tätigkeiten und fertig!

Am ehesten kann man doch unsere Befindlichkeit als "einhäusig-zweigeschlechtlich" bezeichnen - und das ist keine Störung (was immer die Psycho-Faschisten auch behaupten mögen), sondern einfach eine Prädisposition, die es gilt, lebbar zu machen.
WENN sich allerdings tatsächlich mal die Auffassung durchsetzen sollte, dass wir nicht krank, sondern allenfalls ... speziell sind - werden wir uns wohl jemand anders suchen müssen, der all unsere Hormone und OPs bezahlt. Warum sollte eine Krankenkasse, mithin die Allgemeinheit, das dann noch tun?? Zillionen Menschen sind mit ihren Phänotyp unzufrieden - weil sie sich zu dick, zu klein, zu kahlköpfig oder kleinbrüstig finden. Schön! Ist zwar teuer - KANN man aber etwas gegen tun. Das zahlen die dann allerdings schön brav aus eigener Tasche.
Wir sollten also vielleicht ein wenig vorsichtig sein mit dem, was wir uns wünschen ...

Aber zurück zu dem mMn völlig hirnrissigen "trans" - findet denn wirklich so etwas wie eine Transition statt? Ist das nicht nur - zugegebenermaßen notwendige - Staffage? Reine Kosmetik? Ändert sich irgendetwas an den natürlichen Gegebenheiten, mit denen wir auf diese Welt gekommen sind? Jede verdammte Zelle unseres Körpers weist, einem Kainsmal gleich, das verdammte Y-Chromosom auf (Trans-Männer mögen sich alles, was ich hier so absondere, spiegelverkehrt vorstellen) - wenn man von den paar haploiden Keimzellen absieht. So wir denn noch welche haben.
Mal ehrlich, Mädels: Und wenn wir uns das noch so eifrig einzureden versuchen mögen, Homone fressen, bis der Doktor kommt und uns operativ aufpimpen lassen wie durchgeknallte Super-Models - wir werden NIE einfach nur "normale" Frauen sein!
Selbst die glücklichen unter uns, die so rechtzeitig mit ihren Bedürfnissen wahr- und ernstgenommen worden sind, dass sie eine relativ lückenlose weibliche Sozialisation genossen haben und um die ünerwünschten pubertären Auswirkungen herumgekommen sind, menstruieren nicht, werden nicht schwanger, kommen auch nie in eine natürliche Menopause. Da wird ein Leben lang auf Teufel komm heraus substituiert. Künstlich zugeführt, was eine halbwegs weibliche Erscheinung garantiert, auf dass unsere hartleibig am Dimorphismus sich festkrallende Gesellschaft sich an der Nase herumführen lassen möge.
That's it: Schöner Schein, ebenso kosten- wie risikointensiv aufrechterhalten (gibt es eigentlich Zahlen, wie viele von uns auf OP-Tischen verreckt, an Komplikationen eingegangen oder schließlich Thrombosen, Karzinomen und Leberschäden erlegen sind??), damit man uns endlich fühlen, denken und handeln läßt, wie es unserer Hirnstruktur entspricht!

Bei den Intersexuellen (da ist es wieder - dieses völlig irreführende, dämliche Wörtchen!) ist alles noch mal komplizierter, weshalb es da auch einige gibt, die darauf bestehen, "Zwitter" genannt zu werden. Weil sie sich nicht damit abfinden mögen, sich auf männlich oder weiblich festnageln zu lassen oder gar (wie leider immer noch üblich!) schon als Kleinkinder nach Gutdünken von Eltern und Medizinern "zurechtgeschnippelt" zu werden. Auch bei denen hat es es ja einige, die trotz auf ersten Blick normalem XX- oder XY-Genotyp körperlich uneindeutig auf die Welt kommen. Sind wir also vielleicht ALLE "zwischengeschlechtlich"?
"Bio" jedenfalls sind wir allesamt. Bio-Frauen (auch so ein kackendoofes Wort, dass ich mangels vernünftiger Alternativen gelegentlich widerstrebend benutze), Bio-Männer ... und eben Bio-Zwitter??
MEINE Identität mag auch von meinem Körper und seinem spezifischen Empfinden mitgeprägt sein - in erster Linie wohnt die allerdings zwischen meinen Ohren. Und das schon immer - niemand hat die da hinein trans-portiert! Biologischer gehts nimmer.
Meinen Körper trans-portiere ich nun allerdings so weit als irgend möglich von A nach B - nicht aber gleich auch noch meine Sexualität, die, wie gesagt, auf einem völlig anderen Blatt steht.

Also ...  was bin ich denn jetzt bloß?? Eine Hirn-Frau? Mit Körper-Mann? Ist mein Mann eine Körper-Frau mit Hirn-Mann?
Alex hat in seiner Not mal den Begriff "Außenfrau" erfunden, die den "Innenmann" umhüllt - treffender habe ich das noch nicht zu formulieren vermocht.
Wie dem auch sei: Ich denke, dass unserer Umwelt der Begriff "transident" klarer zu vermitteln ist als "transsexuell", egal, was die Psycho-Hanseln damit ausdrücken wollen - zuhause fühle ich mich aber weder hier noch dort.
Vielleicht gelingt es uns ja irgendwann, ein wirklich passendes Wort zu erfinden! Eines, dass uns nicht von Wissenschaftlern, die uns wie seltsame Insekten studieren, übergestülpt worden ist.

Im Übrigen - aber das ist eigentlich ein ganz eigenes Thema, das ich bei Gelegenheit ausführlicher zu beackern gedenke  - springen wir eh zu kurz: Was UNS nämlich das Ausleben unseres Empfindens in ganz vielen Aspekten so schwer macht, läßt sich mühelos auf die in dieser Gesellschaft immer noch bestehende Ungleichbewertung der Geschlechter herunterbrechen. Die Grenzzäune sind ja nur deshalb so hochgezogen, so schwerdurchdringlich, weil es um MÄNNER-Pfründe geht.
Was UNS unglücklich macht, betrifft in gewisser Weise ALLE Frauen!

Jedenfalls beabsichtige ICH, murrend und knurrend zwar, weil in Ermangelung eines noch zu prägenden Begriffs, lieber weiterhin dem Fähnchen "Transidentität" hinterher zu dackeln, als mich mit dem Branding "transsexuell" als sexuellen Freak abstempeln zu lassen.
Aber jede so, wie sie es mag.
Ich betone ausdrücklich, dass ich in keiner Weise zu werten beabsichtige - oder gar meiner persönlichen Ansicht irgendeine wie auch immer geartete normative Kraft beimesse!

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Kommentare:

  1. Allen Anhängern bewusstseinsverändernder Psychotechniken sollte es zu denken geben, dass sich die psychische Zuordnung zu einem Gender/Geschlecht/Geschlechtsgefühl offenbar erheblich schwerer, wenn überhaupt, beeinflussen lässt als ein Körper.
    Das ist doch das eigentlich erstaunliche daran, oder? Ich meine, wenn ich so lese, mit welchen Tricks und seelenverstümmelnden Versuchen Menschen mit abweichendem Innenleben versuchen, sich gesellschaftlichen Normen anzupassen (und mit welcher Gewalt diese Anpassung von seiten von Eltern und Anderen betrieben wird), dann muss doch die Grundlage dafür, ob wir uns als Mann oder als Frau fühlen, eins der Fundamente unserer Existenz sein. Entschuldige, das wird für dich ein uralter Hut sein. Ich kann nur sagen, dass mich diese Erkenntnis erstaunt, denn ich hab das mich-als-Frau-fühlen oft als eines der Phänomene am Rande abgetan, es ist überhaupt nicht stark ausgeprägt bei mir. Wie stark diese Sehnsucht, konform mit seinem Gefühl auch leben zu können, ist, kann m. E. jemand mit übereinstimmender Ausprägung des inneren und des äußeren Geschlechts gar nicht nachempfinden. Da finde ich es verwegen, dass sich "homogene" Menschen ein Urteil erlauben und die Regeln vorschreiben dürfen...
    Vermutlich ist das, wie gesagt, ein alter Hut und zu kurz gedacht obendrein. Aber es ging mir durch den Kopf und wollte raus- sry.

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  2. Ach, Lily ... ich könnte Dich küssen ...
    Gar kein alter Hut - ich denke, Du hast das Problem da punktgenau am Wickel.
    Die geschlechtliche Zuordnung vollzieht sich - wenn man der Wissenschaft in diesem Punkt Glauben schenken mag - vorgeburtlich. Und läßt sich tatsächlich mit absolut nichts wirklich ändern. Konditionierung, Training kann nur die Variablen ändern - nicht den offenbar festverdrahteten Kern.
    Homogen fühlt sich ein Mensch (das kann ich natürlich nur vermuten), so lange er sich mit seinem Empfinden im Rahmen der Konvention befindet. Es gibt Männer mit starken weiblichen Anteilen, die trotzdem absolut zufrieden damit sind, Mann zu sein. Für Frauen gilt das umgekehrt ganz genau so. Ein Spagat geht so lange in Ordnung, wie die Sehnen mitspielen - irgendwann ist die Kluft unübersehbar, nicht mehr zu überbrücken.

    Ich glaube und ahne, im Moment an der Schwelle einer für mich superwichtigen Erkenntnis zu stehen (die für andere wahrscheinlich eine Watschelweisheit ist): Der Tatsache nämlich, dass mein erbitterter Widerstand gegen das Frau-Sein mit der Empfindung vieler Geschlechtsgenossinnen korreliert, dass Männer in dieser Gesellschaft immer noch und durchaus zu Unrecht eine bevorzugte Stellung einnehmen. Auf - verdammt noch mal - unsere Kosten! Wie wäre sonst zu erklären, dass ich in Kindheit und Jugend -zigfach von Mädchen und Frauen den Stoßseufzer "Ach, wenn ich doch nur ein Junge/Mann wär!" gehört habe - aber nur ein einziges Mal von einem Klassenkameraden "Mädchen haben es gut - die können nicht nur Jeans und Jeansjacken anziehen - sondern auch Jeansröcke und -kleider!" - was noch lange nicht bedeutet hätte, dass der sich von einer zufällig herbeieilenden guten (oder bösen??) Fee gewünscht hätte, fürderhin sein Leben als Frau zu fristen!

    Das mag heute schon durchaus anders sein - die Gesellschaft hat sich deutlich zum Positiven verändert.
    Aber RICHTIG problemlos wird transidente Existenz erst, wenn Frau-Sein dem Mann-Sein WIRKLICH gleichwertig ist: Wie nämlich sollte man Transidente dann noch verhöhnen??

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  3. Beste Britta:
    Die schlechteren Chancen gibts zwar immer noch, aber niemand traut sich mehr, einen offen zu diskriminieren. Das ist schon mal schön. Andererseits finde ich, dass Männer, so sie das komplette Spektrum des Menschseins nützen wollen, noch erheblich weniger Möglichkeiten haben...
    liest du hier:
    http://blogorrhoe.blogspot.com/2009/08/frauen.html
    *schamlose Eigenwerbung Ende*
    Vielleicht glaube ich deshalb, dass ein Transmann es leichter hat? Und nicht nur, weil vielleicht das Passing einfacher ist, sondern weil ein nicht unerheblicher Teil des Mann-Lebens bereits von unseren Müttern und Großmüttern erobert wurde...das hatte was mit der Eroberung der Macht zu tun. Frauenleben ist aber zu Teilen immer noch etwas, was sich fast schon subkulturell abspielt, oder auf jeden Fall abseits vom Männer-Leben. Seltsame Prinzessinnen, halt.
    Aber das ist meine persönliche Sicht, das kann auch komplett anders sein...

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  4. Ach, und: Man darf nicht vergessen, dass spätestens seit Charlies Tante der "als Frau verkleidete Mann" eine der Standard-Lachnummern in Variete, Theater und Kino ist.
    Ich glaube, bis zum Alter von neun oder zehn hat das jeder Mensch schon mitgekriegt- und der Hohn in der Stimme von Menschen, die keine Ahnung haben, tut das seine dazu. Warum sollte jemand, der sensibel ist, sich das freiwillig antun, so als potenzielle "Witzfigur" durchs Leben zu laufen? W
    ürde mir jemand sagen, dass meine Depressionen und meine Angstzustände nie wieder ein Problem wären, wenn ich den Rest meines Lebens mit einer Scheibe Käse auf dem Kopf, oder mit künstlichen Hasenzähnen oder sonst etwas vielleicht Befremden oder Heiterkeit Erregendem (und vor allem, etwas das nicht zu verstecken ist) herum liefe, ich bin nicht sicher, was ich täte.
    Ich finde dich sehr mutig, weil du dich getraut hast, dein Inneres zu leben.

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  5. Wow - Lily. Brillant, Deine Analyse. Ich habe ja schon das eine oder andere aus Deinem Archiv gefischt - das aber war mir bislang entgangen.
    Hab Dank für den Hinweis.

    Du glaubst zu recht, dass Trans-Männer wesentlich weniger Steine in den Weg gelegt werden.
    Auch wenn es bei denen Sorgen und Nöte gibt - sie steigen auf, sie beweisen in den Augen der Gesellschaft Ehrgeiz. Sie werden vielleicht als anmaßend empfunden - aber selten als so erbärmlich wie der "Mann", der beschließt, lieber eine Frau sein zu wollen (wobei wir uns natürlich eigentlich nie aus freien Stücken dazu "entschließen"). Der Notwendigkeit nachzugeben, sich den Erfordernissen seiner Seele zu beugen, geht mit Peinlichkeit, Ächtung, Statusverlust und oft auch mit sozialem Abstieg einher. Wird aber langsam besser, je mehr Achtung und Ansehen Frauen in der Gesellschaft erobern.
    Trans-Männer haben eher das Problem, überhaupt dahinter zu kommen, wo bei ihnen der Hase im Pfeffer liegt. Weil sie jede Menge Männlichkeit leben können, ohne das überhaupt ein Hahn danach kräht.
    Eine Frau, die Anzug und Kravatte trägt, wirkt nicht im geringsten lächerlich, sondern beweist modischen Mut - das nennt sich dann Marlene-Dietrich- oder Boyfriend-Look.
    Auf den doch jetzt gaaaanz bestimmt zu erwartenden Girlfriend-Look für den modebewußten Kerl bin ich jetzt ehrlich gespannt. ;-)
    Oder diese (ziemlich doofen, wie ich finde) putzigen Slips mit tatsächlichem oder nur aufgedrucktem Eingriff: Also ehrlich - welchem Mann könnte man guten Gewissens eine Unterhose verkaufen, für die ein Spitzen-Tanga Pate gestanden hat??
    Transmänner landen auch nicht in der Halbwelt oder gar auf dem Strich, weil ihnen kein Hund einen "soliden" Job gibt - aber auch das ändert sich. Auch wenn Mzf-Transidentität natürlich immer noch nicht wirklich karrierefördernd wirkt.

    Ich habe schon auch immer schöne Aspekte am Frau-Sein gesehen - lerne aber erst seit relativ kurzer Zeit, wirklich GERNE Frau zu sein, Männer nicht mehr alle über einen Kamm zu scheren und als Todfeinde zu betrachten.
    Ich war ja die meiste Zeit meines Lebens so etwas wie eine "Konzept-Lesbe", habe ausschließlich mit Frauen gelebt und nur dann und wann mit Männern "das Lager geteilt" - meine Zutraulichkeit reichte einfach nicht für mehr.
    Alex ist der erste, den ich mir so nahekommen lasse, dem ich mich wirklich zu öffnen wage. Im Gegenzug bekomme ich Einsichten in männliches Denken und Fühlen, wie ich sie von außen bei allem Talent zur Imitation nie nachzuvollziehen vermochte. Strange, manchmal. Aber eben auch wunderschön! :-)

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  6. Wenn du sagst, dass du lernst, gerne Frau zu sein, und so langsam Frieden in deine Beziehungen zu Männern einkehrt, dann sieht es so aus, als seiest du angekommen, wo du hinwolltest... Klar um den Preis ständiger Substitution von Hormonen die dein Körper nicht selbst bilden kann (aber meiner kann auch ein paar nicht so gut bzw. gar nicht), aber das scheint für einen Seelenfrieden alles in allem ein hoher Preis- zu hoch? Hört sich nicht so an.

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  7. Ja - Medikamente müssen allerhand Leut ein Leben lang nehmen. Da kannst Du ja ein Lied von singen. Das damit verbundene Risiko habe ich schon immer billigend in Kauf genommen.
    Auf den Beipackzetteln steht immer "Kann depressive Verstimmungen hervorrufen". Schwindel, Mattigkeit und Migräne seien häufige Nebenwirkungen- tja ... bei mir nicht - im Gegenteil: Estradiol wirkt bei mir eindeutig stimmungsaufhellend (wird, wie die nur bei tatsächlichen ADHS-Patienten zu beobachtende Wirksamkeit von Ritalin, von einigen Ärzten als "Marker" für die entsprechende Hirnstruktur betrachtet), fühlt sich einfach "richtig" an. Bei Alex das umgekehrte Phänomen: Ohne Testosteron fühlt der sich antriebsarm und fahrig. Testosteron katapultiert ihn direkt auf die Handlungsebene, sagt er. Das sei wie ein Energie-Boost, was ich bei mir weder in der Pubertät, noch nach gelegentlichem Absetzen meiner Hormone je so empfunden habe ... na ja ... wenn er es sagt ...

    Frieden mit den Männern machen ... das war (und ist es manchmal noch) nicht so leicht für mich. Ich habe die zu lange zu mißtrauisch und ängstlich beobachtet. Immer auf der Hut, bloß nicht Flanke zu zeigen - gleichzeitig ständig bemüht, dahinter zu kommen, wie die ticken, warum sie was wann tun; das galt es ja möglichst glaubhaft zu imitieren.
    Aber auch wenn ich es dadurch zu gewissen schauspielerischen Fertigkeiten gebracht habe - wirklich begreifen kann ich Männer bis heute nicht.
    Und das nehme ich jetzt eben einfach so hin. Die sind halt so. Die sind auch beileibe nicht alle gleich - einige sind richtig toll, spannend, fast drollig manchmal, gutmütig und hilfsbereit. Ach ja: und ziemlich scharf ... ;)
    Wenn ich aber mein Herz ausschütten wollte, ginge ich auch weiterhin immer zu einer Frau - da muss ich nicht viel erklären und mir nicht endlos Ratschläge und tolle Pläne anhören ... ;-P

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  8. Männer versteh ich gar nicht, sobald ich mit ihnen eine Beziehung beginne. Ansonsten gehts so halbwegs, inzwischen:)Daher: Keine Beziehung zu einem Mann mehr, nie nicht.

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  9. Oha - schon länger beschlossen? Oder gerade erst abgehakt? :-/

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  10. Na, sagen wir: Nicht beschlossen in akademischem Sinne. Mir ist da nur ein Licht aufgegangen, und ein paar Dinge sind mir klar geworden. Und das ist auch schon einige Zeit her :-)

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  11. nach diesen interessanten und tiefschürfenden kommentaren piepse ich nur schnell meinen ^^: ich habe meiner mutter von dir, Britta, erzählt und davon, daß ich durch dich :) jetzt ab sofort nur noch von transident sprechen werde und vor allem: WARUM, und sie [60] hat gesagt, daß sie das auch versucht. aber da sie so wenig berührungspunkte mit solchen dingen hat, meinte sie, daß einzig das in der öffentlichkeit verbreitete transsexuell überhaupt bei ihr vorher da war... ist ja auch verständlich, so irgendwie. aber freut mich, daß sie das dann auch so sah :)!

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  12. Huuuhnchen! Na - Du machst ja Sachen! :-))
    Ja - eigentlich denke ich, dass schon viel, viel Verständnis in der Gesellschaft vorhanden ist. Und dass alles noch viel besser wird. :-)

    Ich bin immer noch ganz voll von dem Film, den ich gestern sah - und den werde ich meiner Mom zeigen. Die ringt nämlich immer noch ein bisschen um ein entspanntes Verhältnis zu dem ganzen Kuddel-Muddel... ist aber sooo cool dabei - ich liebe sie wirklich sehr!
    Familie ist furchtbar wichtig.
    Also - natürlich nicht in jedem Fall.
    Aber sie SOLLTE zumindest wichtig sein, oder? :-))

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  13. Familie ist wichtig. Wenn sie auch manche Wahrheiten nur dosiert verträgt. Aber das weiß man, wenn man die zwanzig überschritten hat, oder?

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  14. Na ja ... manchmal vertrüge eine Familie vielleicht mehr, wenn man es ihr nur zutraute.
    Ich hätte meine Eltern viel, viel früher ins Vertrauen ziehen müssen.
    Meine Mutter war, als sie es schließlich erfuhr - neben all dem Schock neuer Erkenntnisse - ganz besonders verletzt darüber, dass nicht ICH es ihr erzählte...
    Bree behauptet in "Transamerica" hartnäckig, dass ihre Familie tot sei. Als sie schließlich mit ihrem Sohn vor ihrem Elternhaus steht, antwortet sie auf dessen erstaunte Nachfrage einfach mit "Wishful thinking..." :-/

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  15. Hallo Britta,
    Mhmm, ist ja schon fast alles gesagt worden. Melde mich trotzdem zu Wort, weil mich dein Schreiben und die Kommentaren wie immer sehr nachdenklich gemacht haben. Weißt du, den Begriff "Zwitter" mag ich persönlich überhaupt nicht. Sorry, aber da muss ich immer an unsere Hühner damals im Garten meiner Pflegefrau denken. Wenn die Küken ca. 2 Wochen alt waren, wurden sie sortiert in "Hahn" - "Henne" und "Zwitter". Letztere landeten in einem Eimer heißen Wasser! Ich persönlich bezeichne meine Trans-Figuren gerne als Hermaphroditen, erstens, weil ich die griechische Mhytologie liebe und zweitens, weil ich es als glückliche Verbindung ansehe ein Kind des Götterboten und der Göttin der Schönheit und Anmut zu sein zu dürfen.
    Das Kästchendenken, dem wir alle - der eine mehr, der andere weniger - verfallen sind, zwingt uns, alles und jedes in eine Schublade zu packen und was/wer da nicht reinpasst ist anormal, pervers, schwul etc. Auf jeden Fall ist er hoch verdächtig. Es ist höchste Zeit, der Gesellschaft bewusst zu machen, dass es ein drittes Geschlecht gibt, das sich weder zurechtschnippeln lassen noch verstecken muss, sondern das einfach Teil des Ganzen sind. Äh... Ich fange an zu faseln und zu fantasieren. Schluss damit! Will deinen Blog schließlich nicht mit pseudophilosophischem Bla verstopfen.
    Ich winke dir zu und schicke dir einen lieben Gruß
    Darklady (die interessiert mitliest)

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  16. Hi Darklady! Gehts besser mit der Erkältung? :-)
    Na ja - "Zwitter" wird in einigen Intersexuellen-Kreisen halt benutzt... Ich persönlich mag es auch nicht so, weil es auch als Schimpfwort Verwendung findet.
    Aber so ist es eben mit den meisten Begrifflichkeiten - wenn es sich nicht wirklich klar fassen läßt, spielt immer die persönliche Vorliebe des oder der Betroffenen eine Rolle.
    Worte unterliegen ja einem ständigen Wertewandel: Was heute noch völlig normal ist, kann morgen schon eine Beschimpfung sein - und umgekehrt. Sehr schwierig.

    Das in unserer Kultur leider wirklich übermächtige Schubladendenken macht es nicht einfacher. Es erfordert schließlich "Labels" für das entsprechende Kästchen.
    Auch in meiner Vorstellung ist Geschlechtsidentität eher fließend: Von sehr, sehr männlich über unzählige Graustufen und einen erheblichen Überschneidungsbereich ins Weibliche (mit wieder 1000 Farbschattierungen) bis zum sehr, sehr Weiblichen.
    Zumindest ein "Drittes Geschlecht" anzubieten, könnte vielleicht wirklich helfen ...

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  17. Ich finde, die längst überfällige und mehr als notwendige Diskussion, die eben jetzt hier geführt wird, braucht eine breitere Basis. Jedem Deppen ist irgendwann klarzumachen, dass es biologische Geschlechtsmerkmale gibt, dass es sexuelle Orientierung und dass es verhaltens-und empfindungsbezogene Geschlechtsgruppenzugehörigkeitsgefühle (ha) gibt. Natürlich ist das erste leicht zu sehen, das zweite etwas schwerer, aber auch noch, nur das Dritte sitzt tief in unserer Seele. Wenn sich diese Erkenntnisse vielleicht dann mal dank neuer Begrifflichkeiten und einer erweiterten Diskussion verbreiten, dann, ja dann kann man damit aufhören, denen, die nicht in die Standard-Mischung der oben genannten drei Gruppen fallen, Kranksein nachzusagen. Nicht die vom Phänotyp abweichende Empfindung ist oder macht krank, sondern der Zwang, sich den Äußerlichkeiten anpassen zu müssen- oder hab ich euch alle falsch verstanden?
    Also sollte man munter einher diskutieren und aufhören, Eindeutigkeiten und hergebrachte Mischungen als das allein selig machende Mojo zu betrachten.

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  18. ja, den film fand ich von deiner beschreibung her auch sehr [!] interessant - wenn ich es schaffe, schaue ich ihn am WE ^^. :)

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  19. öhm - mein kommentar bezog sich auf 'weiter oben'. mea culpa. [aktualisieren des browsers soll helfen...]

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  20. @Rebhuhn: DU darfst in meinem Blog Deine Eier legen, wo immer es Dir beliebt!
    *resolut entsprechendes Formular stempel*

    Pafff! - Hach... wie ich das Genehmigungs-Erteilen liebe... ich hätte Zöllnerin werden sollen... oder so was... *strahl*

    Ich ernenne Dich hiermit so offiziell wie feierlich zu meinem Blog-Huhn! ;-P

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  21. @Lily: In "Transamerica" beantwortet Bree die Bemerkung ihres "Gutachters", dass sie sehr authentisch wirke, mit: "I try to blend in. Keep a low profile." - Nicht auffallen - bloß nicht auffallen.
    Mein gutes, altes Mantra.

    Sie WILL nichts BESONDERES sein - go with the flow... Fisch unter Fischen -, sie möchte "Sabrina Claire Osbourne" sein - eine Frau mit Familie und Geschichte, die jetzt endlich ihren College-Abschluß nachholen will. Punkt. Mehr will sie nicht.

    Was, wenn Transidente tatsächlich so gar nichts besonderes wären?? Wenn man von der Dissonanz zwischen Körper und Geist, die sie in Einklang zu bringen versuchen, einmal absieht.

    Du hast Nicht-Transidente "Homogene Menschen" genannt - darüber denke ich jetzt schon seit Tagen nach. Mens sana in corpore sano. Ein wichtiger, für mich neuer Begriff.
    Aber sind wir nicht ALLE auf der Suche nach dieser Homogenität, fragen sich nicht auch Frauen ständig, ob sie weiblich genug, Männer, ob sie Kerl genug sind?
    Vielleicht sind Transidente ja nur so etwas wie ein Indikator: Marker für das, was Mann- von Frau-Sein tatsächlich unterscheidet, weil es mit aller kulturellen Überformung nicht zu ändern ist? Indikator für den Punktestand im Krieg der Geschlechter, der immer noch tobt?
    Sind Männer und Frauen vielleicht dann erst nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch in unseren Köpfen und Herzen gleich, wenn ein "Mann", der bekundet als Frau zu fühlen und entsprechend leben zu wollen, nichts erntet als ein Schulterzucken und ein "Ah. Okay."??

    Ich bin eigentlich nicht so sehr das Eso-Mäuschen ... aber vielleicht ist DAS unsere Aufgabe auf dieser Welt? Brücke zu sein? "Two-Spirits", wie die Zuni es nannten. Mittler nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen den Welten...
    Aber vielleicht bin ich auch immer noch viel zu sehr darin verhaftet, dem so furchtbar sinnlos scheinenden krampfhaft Sinn und Bedeutung zu verleihen.

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  22. Ich glaube, dass das das Ziel sein kann: Dafür zu sorgen, dass ein Mensch sich nicht ständig Gewalt durch seine äußere Gestalt antun lassen muss. Also durch das, was die äußere Gestalt an Erwartungen bei anderen weckt, du weißt schon.
    Von mir kann ich sagen, dass ich in der Vergangenheit oft und oft mich nicht als den Standards von Weiblichkeit genügend empfunden habe. Aber an meinem Frau-Sein als solches habe ich niemals gezweifelt. Unvollkommen, aber dennoch weiblich. Ich weiß natürlich nicht, wie es Männern geht, vermute aber, dass es denen schwerer fällt, weibliche Anteile in sich selbst zu akzeptieren. Ich glaub aber nicht, dass man, je mehr unweibliche (z.B.) Wesenszüge man hat, man irgendwann automatisch an der Transident-Mauer anschlägt. Denn, wie gesagt, man kann sich wie eine nichtgraziöse, technisch interessierte und recht schnell wütend werdende Frau fühlen, aber man bleibt eine Frau, und wird nicht ein mittelgroßer, übergewichtiger Mann mit Brüsten.
    Bei sexuellen Präferenzen ist es doch ähnlich: Eine Lesbe ist eine Lesbe, keine unerkannte Transidente. Weil sie auf Frauen steht, und nicht, weil sie vielleicht ein Mann ist, tief in sich drin.
    Alles schön und gut und auch zu erklären- aber es wird nur dann eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Ganzen geben, wenn die Diskussion breit und offen geführt wird. Das ist keine Sache, die sich in unserer Lebenszeit lösen wird. Dafür ist das Bedürfnis der Menschen zu groß, sich das komplizierter werdende Leben zu erleichtern, indem sie sich ihre Welt in Schubladen organisieren. Selbst Babys machen das schon, und diskriminieren nach Äußerlichkeiten Freund und Feind, das spricht dafür, dass ein Abweichen von diesem Prinzip so gut wie unmöglich ist. Jemanden sehr lange beobachten zu müssen, bis man weiß, ob ein Mann oder eine Frau vor einem steht, ist erst dann tolerabel, wenn die Unterscheidung an sich keine Bedeutung mehr hat, weil die Grenzen ohnehin so verschwommen sind, dass sie nicht mehr existieren.
    Die Frage, die dann für mich bleibt, ist, wo steht dann jemand, der _in sich selbst_ zum Beispiel eben diesen Drang verspürt, eine Frauenrolle zu leben, wenn sein Phänotyp männlich ist. Was ist ihm dann noch Symbol und Zeichen für die Erfüllung seines inneren Wunsches, wenn die Grenzen nicht mehr da sind? Mein Hirn versucht da grade, sich um was herumzuwinden- also, wenn ich sage, ich fühle mich als Frau, mein Körper ist ein Mann, ich passe nicht in die üblichen Schubladen, und will, dass sie aufgelöst werden und zukünftig meinem inneren Gefühl entsprechend leben. Dann hab ich doch keine Chance mehr, in der Frauenschublade zu landen, oder? Weil es sie in der idealen aller Welten _so_ gar nicht mehr gibt? Und was dann?
    Herrschaftszeiten. Das ist kompliziert.
    Erfordert für mich altes Hühnerhirn eine Menge Arbeit, also bitte verzeih, wenn es zu sehr Boulevardniveau hat.

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  23. In gewissem Rahmen ist wohl unvermeidbar, dass man sich immer wieder ins Verhältnis setzen lassen muß. Ist ja vielleicht auch etwas festverdrahtet-menschliches...
    Wenn ich mir die Kids heute so ansehe (wobei es zu "unserer Zeit" ja auch nicht sooo anders war), staune ich, wie viel Zeit und Energie für reine Äußerlichkeiten draufgeht. Und wie viel Geld.
    Große-Tochter latzt da schon mal ohne mit der Wimper zu zucken 50 € für ein blödes Wollmützli, das meine Mom in 30 Minuten selbstgestrickt hätte. Gut - das doofe kleine Krokodil zu sticken, das da drauf und scheinbar lebensnotwendig ist, hätte länger gedauert.
    Bloß nicht "assig" sein... oder eben unweiblich, unmännlich oder was auch immer.
    1000 Erwartungen - und keine Chance, alle zu erfüllen.

    Ich denke auch, dass man nicht automatisch transident wird, weil man die Standards nicht erfüllt (tatsächlich ist Bestandteil der "Begutachtung", auszuschliessen, dass man die Flucht nach vorn antritt, weil man das Gefühl hat, dass man es in seinem biologischen Geschlecht "nicht packt").

    Je fließender alles wird, desto wertfreier - ja. Weil es keinen Sinn hat, etwas zu diskriminieren, das den Sprung in die akzeptierte Option geschafft hat. Sexuelle Präferenzen sind da ein prima Beispiel - Schwulsein z.B. ist sicher immer noch gelegentlicher Grund für Mobbing - aber man KANN damit durchaus auch Bundesaußenminister werden.

    Symbole wird es wohl immer brauchen, glaube ich jedenfalls.
    Jede Kultur schafft sich welche.
    Was genau das ist, scheint auswechselbar: Schuhe z.B. unterscheiden sich in allerhand Kulturen lediglich in der Größe - in der unseren wird ein Mordsaufwand getrieben, die so unterschiedlich wie nur irgendmöglich zu machen. Wer, bitte, braucht rosa Sneaker, die viele Frauen toll finden, in denen ein Mann aber nicht tot überm Zaum hängen wollte?? Es scheint Frauen also wichtig zu sein, an allen Ecken und Enden ihre Weiblichkeit herauszustreichen. Dabei ist rosa als Farbe noch gar nicht so lange weiblich konnotiert.

    (oh - zu lang... muss ich splitten... ich Plappertasche...)

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  24. (weiter geht's...)

    Die germanischen Stammesgesellschaften haben vor der Christianisierung nicht viel zwischen männlich und weiblich gewertet, wie es scheint. Was nicht bedeutet, dass es keine Arbeitsteilung gegeben hätte. Und natürlich gab es geschlechtsspezifische Kleidung und Schmuck.
    In der Edda steht beschrieben, wie Thor und Loki sich in Frauenkleidern an dern Hof des Riesen Thrym begeben, um Thors Hammer zurück zu gewinnen. Auch wenn unsere Altvorderen die Vorstellung sicher sehr komisch gefunden haben - so ein Donnergott ist schließlich ein Mords-Trum und wird es nicht leichtgehabt haben, elfengleich in dem langen Brautgewand einherzutrippeln - galt das als absolut legitime Kriegslist, die Ruhm und Ehre einbrachte und nicht etwa dazu führte, dass Thor fürderhin als Schwuppe verspottet worden wäre.
    Warum auch? Frauen waren rechtlich gleichgestellt, hatten ihr eigenes Geld, oft eigene Waffen, ihren festen, angesehenen Platz in der Gesellschaft - und wenn man sich die Bedeutung germanischer Frauennamen ansieht, WEISS man, dass die ihre Töchter ganz genau so sehr geliebt haben, wie ihre Söhne.
    Wenn Frausein also KEIN prinzipieller Makel ist - wie soll man dann einen "Mann" vernüntig diskriminiert kriegen, nur weil der sich als Frau fühlt?
    Und umgekehrt gilt das genauso. Es gibt genügend Beispiele für Germaninnen, die mit in die Schlacht zogen und nicht eben als zimperlich bekannt waren. Ob die sich nun gleich transident fühlten, läßt sich im Nachhinein schlecht beurteilen. Es wäre aber sicher kaum ein wirkliches Problem gewesen. Schamanen scheinen zumindest aus kultischen Gründe Frauenkleider getragen zu haben - Brücken-Wesen... Two-Spirits.

    Unterschiede sind doch gar nicht übel? Wäre doch furchtbar, wenn alles gleich wäre?
    UngleichWERTIGkeit hingegen ist eine wahre Pest...

    Wenn ich meine Individualität, meine Identität betonen kann, weil die Gesellschaft mir Symbole an die Hand gibt, mich auszudrücken, OHNE mich damit automatisch selbst zu erhöhen oder zu erniedrigen - dann hör ich auch auf, an der Gesellschaft herumzuquengeln - versprochen! ;-P

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  25. Waaah. Ich hasse Katzen. Ich hatte gerade einen genialen Kommentar verfasst... da kam der liebebedürftige Eddie und musste mit meiner Hand auf der Tastatur schmusen.
    Grrrr.

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  26. Jetzt aber:
    Ach ja, die Germaninnen- obwohl ich manchmal gern eine gewesen wäre oder auch heute noch wäre, vermute ich mal, dass die tradierte Frauenrolle Mitteleuropas römische Wurzeln hat. Nur eine „dekadente“ Gesellschaft konnte es sich leisten, die Hälfte ihrer Mitglieder zum Schweigen zu verurteilen und damit zu riskieren, dass sie auch deren Mithilfe und Nützlichkeit im Alltag wie im Krieg verlieren. -Nur eine solche Gesellschaft kann einer Hälfte vermitteln, dass lebenserhaltende Fähigkeiten (egal, ob Kämpfen oder Kochen!) unter ihrer Würde sind und daher schleunigst verlernt gehören. Nur eine extrem machtgeile Gesellschaft kann sowas 2000 Jahre durchhalten. Diese grundsätzliche Polarität hat ja auch noch für feinste Abstufungen innerhalb der Geschlechtergruppen gesorgt, die es den Individuen immer noch schwerer machen, sich rundum wohl in ihrer Haut zu fühlen.
    Eine Gesellschaft, die Ungleichheit toleriert, ohne Ungleichwertigkeit zu provozieren, die wär natürlich toll- habe ich richtig verstanden, dass dort im Grunde ein Rollenwechsel nicht erforderlich wäre, weil diese Gesellschaft die Ungleichheit aushält, die darin liegt, dass jemand mit einem Penis gern häkelt? (Wie albern diese Differenzierungen und Zuschreibungen sind, erkennt man erst an solchen Vergleichen. Im Ernst- wtf??? Es ist mir misslungen, überhaupt was zu finden, was wirklich „nicht geht“, aufgrund „falscher“ Chromosomen- abgesehen vom Kindermachen und -kriegen). Was ich auf dem Hintergrund nicht kapiere, ist, was der Grund ist für eine geschlechtsangleichende OP. Denn wenn es „nur“ die gesellschaftliche Rolle ist, die mit den Brüsten einhergeht (jetzt von deiner Warte aus betrachtet), dann zwingt der Gesellschaftsdruck dir die Hormone rein. Wie hältst du das aus? Wie hält irgendein transidenter Mensch das aus? Ich kann manchmal kaum ertragen, dieses Zeug zu nehmen, das mich faktisch am Leben hält. Und im Grunde unterwirft man sich damit nicht nur potenziell lebensgefährlichen Behandlungen, ohne körperlich im eigentlichen Sinne krank zu sein, sondern man wandert von der einen Rollenzwangslage in die nächste. Und ich könnte mir vorstellen, dass die gesellschaftliche Vorgabe an das Verhalten einer MzF-TI/TS/TG (was auch immer) auch nicht gerade ohne ist. Denn je „toleranter“ die Menschen auf der Straße werden, je häufiger auch Menschen mit nicht perfektestem Passing zu sehen sind, desto mehr wird sich auch da ein Erwartungsrepertoire bilden...
    Oh du lieber Herr Gesangverein, das Thema ist ja endlos und uferlos...

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  27. Hm... Es würde ja immer Rollen geben. Sie wären nur nicht mehr unterschiedlich viel wert.
    Ich würde mich immer für die feminine Variante entscheiden, denke ich. Wenn man Rhesusäffchenkindern Menschenspielzeug gibt, schnappen Weibchen sich die Puppen und ähnliches, Männchen untersuchen den Tech-Kram. Das ist nur schwer erklärlich, weil ein Primat eigentlich nicht wirklich den Wunsch haben kann, Baggerfahrer oder Lokomotivführer zu werden...
    Es scheint wirklich gravierende Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu geben, die nichts mit Kultur und Sozialisation zu tun haben. Die liegen wohl auf der Interessens- und Gefühlsebene und sagen nichts über die geistige Leistungsfähigkeit etc. - Geschlecht ist vielleicht nichts weiter als ein - Gefühl.
    Meinem Körper tu ich mit den Hormonen vielleicht nicht gleich furchtbare Gewalt an, aber setze ihn schon mächtig unter Stress. Mein Hirn jedoch läuft mit dem Zeug einfach ... runder. Es fühlt sich schlicht anders - und viel, viel richtiger an.
    Schwer zu erklären.
    Auch Brüste zu haben fühlt sich enorm richtig an. Eine generell andere Hautsensibilität - toll. Emotionaler sein - schön! Es würde mir furchtbar schwer fallen, darauf zu verzichten.
    In früheren Zeiten hätte ich halt ohne klarkommen müssen - aber heute...

    Die große OP... es hat zu allen Zeiten immer Transidente gegeben, die die als falsch "gefühlten" Geschlechtsorgane so sehr irritiert haben, dass sie sich selbst verstümmelten. Ich selbst lebe vergleichsweise friedlich mit dem "falschen Besteck" - aber wenn ich mich auch vor mir selbst nicht ekel (wie es vielen Transidenten widerfährt) und Berührungen als durchaus schön empfinde (bisschen schwer, da nicht zu "intim" zu werden, ohne zu unbestimmt zu bleiben) - ich hatte immer das seltsame, unbestimmte Gefühl, dass alles irgendwie.... um eine Handbreit verschoben ist... als wenn mir jemand die Hand streichelte... und ich es am Ellenbogen fühlte.
    Ganz schwer zu beschreiben, aber seit ich den Begriff "Bodymapping" kenne... scheint es mir erklärlicher.
    Ich weiß nicht, ob ich diese kleine... Verschiebung... auf meine alten Tage noch zu korrigieren versuchen soll - ich wünschte es mir schon.
    Weil ich neugierig wie ein Hummer bin?
    Ich kann es wirklich nicht sagen.

    Seit ich mit Alex verheiratet bin, hat sich noch mal sooo viel für mich verändert.
    Und wenn ich mich jetzt operieren lassen würde - dann täte ich es nicht als Kotau der Gesellschaft gegenüber.
    Dann täte ich es nur für mich. Und ein wenig aus Respekt für meinen Mann.
    Aber wie gesagt - die Haltung Transidenter zur OP ist sehr, sehr individuell, immer wieder auch weltanschaulich besetzt und wird manchmal sehr verbissen geführt.

    PS: Die Vorstellung, wie ein Mann mit seinem Penis zu häkeln versucht, fand ich ziemlich lustig! ;-P
    ...Und Katzen machen so was extra - da bin ich sicher. Und grinsen hinterher noch stundenlang - nicht nur die aus Cheshire! :)=)

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  28. Also, da gibts dann ja noch mehr Bereiche, in denen sich das alles abspielen kann (du siehst, ich bin schwer beeindruckt, weil ich nämlich auch neugierig wie ein Hummer bin (*prust*), und mich sonst nicht so traue, zu fragen).
    Um so mehr greift jetzt für mich die Bezeichnung Transwasauchimmer zu kurz. Mein Sprachgefühl spürte bei dem Wort immer, dass jemand _nach_ seinem Outing ge"transt" ist, rübergemacht hat, eine Schlucht überquert hat und eine Seite gewechselt. Und nicht, dass er/sie vorher im Gefängnis eines fälschlich zugewiesenen Körpers leben musste, aus dem ihn/sie das Outing in eine (vielleicht schwierige, aber endlich gewährte) Freiheit entlassen hat.
    Weder transident, noch transsexuell, und auch nicht transgender drücken das aus, finde ich.
    Übrigens: Meine Randgruppen häkeln nicht mit ihrem Penis- sie legen ihn nur nicht ab, während sie dem H. nachgehen :-))

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  29. Ach, und sie nehmen eine Häkelnadel, versteht sich :P

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  30. Hmm... stümmt... würde gewiss zu grobmaschig sonst...
    Arghs!! Da kommt mir eine schlimme Ahnung bezüglich der Herstellung von Fischernetzen... ;-P

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  31. Alter Beruf für Männer, die gern basteln^^ und auch mal Hand anlegen.

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  32. *ROFL* Müssen wir uns jetzt um das Eheglück der Büsumer Krabbenfischersfrauen ernsthafte Sorgen machen??

    Ja - an dem "trans" störe ich mich schon lange. Die, die transident bevorzugen, machen das, weil sie dem Geist Vorrang vor dem Körper einräumen (sehr verkürzt). Die Identität verändert sich aber nicht.
    Die, die sich mit transsexuell besser beschrieben fühlen, sind nach erfolgter Transition ja quasi "symtomfrei", also eigentlich ... ja was denn dann? Der Körper hat sich dann ja "bewegt". Dann also nur noch Frau (resp. Mann)? Wo bleibt dann die Geschichte, der Werdegang?
    Alles sehr, sehr unbefriedigend.
    Ich würde (weil Schubladen ja nicht nur einengen, sondern auch Halt und Orientierung bieten) sonst was für einen Begriff geben, der ähnlich unwandelbar und leicht verständlich ist wie "Mann" oder "Frau"... :-/
    Aber wahrscheinlich würde ich mich trotzdem immer wieder in Erklärungsnot sehen... weil je keine/kein Transidente/r wie die/der andere ist...

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  33. Tja, das, oder man hört eben auf, die Begriffe "Mann" und "Frau" als etwas unwandelbares zu begreifen, und lernt, dass das nur zwei Pole einer Skala sind. Oder sie sind, und hier fehlt mir ein Statistik-Fachbegriff: Wenn ich ein Diagramm habe, dass nicht eine Skala, sondern ein ganzes Feld zur Verfügung hat für die Ergebnisse, und es gibt zwei Häufungsgegenden, in deren Nähe eben die meisten "Treffer" einschlagen, dann sind sie eben die. Also Mann und Frau als Begriffe. Da ringsherum gibt es dann eben, definiert durch viele, viele kleinere Einzelkriterien, mindestens ebenso viele Menschen.

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  34. @Lily: Schau, was das Rebhuhn mir gerade geschickt hat:
    http://maedchenmannschaft.net/geschlecht-uneindeutig/ - die Freude scheint indess nur kurz gewährt zu haben: Die mühsam erkämpfte Genehmigung, als "geschlechtslos" zu gelten, ist wohl wenige Tage später widerrufen worden. :-(

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  35. ^Das ist wirklich schade- wobei ich mich ohnehin frage, aus welchem Grund in den Papieren ein Geschlecht ausgewiesen ist. Das ergibt doch eigentlich überhaupt keinen Sinn, oder?

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  36. Öh... hmm... stimmt. Wenn es nur zu den "unveränderlichen Kennzeichen" gehörte... Eigentlich reichte ein biometrisches Foto, der genetische Fingerabdruck und gut ist. Weil man ja eh meist auf den ersten Blick sieht, ob man es mit Männlein oder Weiblein zu tun hat. Und selbst bei eventueller Unsicherheit selten nach dem Ausweis fragt.
    Das ist wohl einfach nur ein weiteres Beispiel für den Wert, den unsere Spezies Geschlechtsunterschieden beimißt.
    Die Standesämter verlangen ja schließlich auch geschlechtlich eindeutig zuzuordnende Vornamen für jedes neue Erdenbürgerlein. Man darf seine Tochter zwar "Prya-Darline" *g*, nicht aber "Hans-Heinrich" nennen. "Rainer Maria" geht dann schon wieder - aber nur, weil unsere "Südstaatler" eben eh seltsam sind. "Kai" ist im Norden relativ eindeutig männlich, im Süden muss noch ein eindeutiger Name dazu, weil es sonst offenbar Kuddel-Muddel gibt und die öffentliche Ordnung gefährdet. Oder so. ;-P

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  37. Aber weißt du, was mich tröstet? Pepsi Carola, das ging (noch) nicht. Bavaria hingegen schon, wenn ich mich recht erinnere- und Westfalen-Lippe will wirklich keiner heißen. Oder Rheinland-Pfalz, was das betrifft. Ich finde wirklich, dass Prya-Darline sich wie ein Minivan anhört. Vielleicht wurde das bedauernswerte Kind in einem solchen gezeugt?
    Und so richtig eindeutig weiblich find ich den Namen eh nicht.

    Und jetzt schau du doch mal in deinen Ausweis. In meinem (allerdings immer noch vorläufigen) PA steht kein Geschlecht. Vielleicht verborgen in der Personennummer, aber nicht im Klartext. Verschlüsselt macht das Sinn, weil eine Datei ja nicht sehen kann, was ich bin, und für Auswertungen und/oder zB. Anredefloskeln bei Serienbriefen braucht man schon oft das rechtliche Geschlecht. Wenn ich überlege, wie oft ich in meinen Vordrucken die Bezeichnung "Ihr Sohn..." oder aber "Ihre Tochter..." als Auswahlmöglichkeit vorgesehen habe- und das nur, weil ich höflich und möglichst persönlich formulieren will- sonst könnte man auch nur "Ihr Kind" schreiben. Bei mir fremden Namen schau ich immer sicherheitshalber nach.

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